Chronik

Die Freiwillige Feuerwehr Lengenfeld in ihrer Gründerzeit

Nach Erlass einer Allgemeinen Feuerordnung im Jahre 1853 durch die Kgl. Bayer. Regierung1), versuchte 1856 der damalige Gemeindevorsteher Anton Ruile (Heigl) durch den Verkauf von Waldungen (Feichtn und Bodenwäldl) eine Feuerlöschmaschine zu erstehen. Ein Betrag von 100 Gulden war angesetzt worden, um die Feuerspritze und das Spritzenhaus zu finanzieren.

Der "Tafernwirth" Johann Schwabbauer (heute Förstl) bot für den Kauf der Waldungen 3.425 Gulden. Eine große Summe, mit der auch der Bau des Armenhauses gesichert gewesen wäre. Doch leider legte der Kgl. Landrichter von Nagel aus Landsberg einen Widerspruch ein.

Grund dafür war ein abschlägiges Gutachten der Kgl. Regierung von Oberbayern. Ohne weiteres wollte sich das Johann Schwabbauer nicht gefallen lassen und schaltete den Advokat Meixner aus Weilheim ein. Doch auch dieser konnte an der Ablehnung des Kaufes nichts mehr ändern. Somit mußte der Kauf einer Löschmaschine zurückgestellt werden.

Einige Jahre später, inzwischen wurde die Errichtung von Feuerwehren auch aktiv von dem Staatsministerium des Innern in München unterstützt, unternahm der Bürgermeister von Lengenfeld Anton Ruile (Heigl) 1874 einen weiteren Versuch, eine Feuerlöschmaschine zu erwerben. Wieder war der Gemeindewald die einzige finanzielle Reserve, die angezapft werden konnte.

Die Beschlussfassung der Gemeindemitglieder vom 18.2.1874 brachte ein klares Votum für die Abholzung des 12 Tagwerk großen Bodenwäldls (Flur Nr. 7672)). Dieser Beschluss wurde kurz darauf im Landsberger Wochenblatt veröffentlicht 3).

Der Gebäude und Holzhändler Andreas Streicher, der schon mehrere Anwesen (Nr. 3 Hoissensimon, Nr. 28 Schmidbauer und Nr. 30 Blässlbauer) besaß, kaufte den gesamten Holzschlag für 9.502 Gulden4).

Die Genehmigung zur Abholzung wurde umgehend vom Kgl. Bezirksamtmann Maier erteilt und unverzüglich machten sich die Lengenfelder Bürger daran, den Abtrieb des Waldschlages vorzunehmen.

Der Kauf einer Löschmaschine mit Zubehör sowie der Bau eines Spritzenhauses schien sichergestellt. Zwei Monate später, am 28.5.1874, kam von der Kgl. Regierung von Oberbayern der Bescheid, die Abholzung des besagten Waldgrundstückes abzulehnen. Was tun? Der Wald war schon kahl geschlagen.

Dem Kgl. Oberförster und Waldaufseher Rauchenberger aus Vilgertshofen blieb, nicht anderes übrig, als den Kahlschlag zu bestätigen. Die Folge war ein Disziplinarverfahren für den Bürgermeister, den Beigeordneten und die 4 Gemeindebevollmächtigten. Die Verantwortlichen wurden mit einer Geldstrafe belegt.

Das Spritzenhaus wurde 18755) gebaut. Ebenso wurde in diesem Jahr, nach der amtlichen Bekanntmachung über die Bildung der Freiwilligen Feuerwehren in den Landgemeinden, in Lengenfeld endlich eine Löschmaschine mit den dazugehörigen Requisiten (100 m Schlauchmaterial und Zubehör) gekauft.

Anderl Haugg

Quellennachweise:
1. Landsberger Wochenblatt 28 / 1853
2. Forstakten Vilgertshofen, Staatsarchiv München
3. Landsberger Wochenblatt 1874
4. Amtsblatt vom 27.03.1875
5. Plan Spritzenhaus, Staatsarchiv München

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Lengenfeld

Getreu dem Leitspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" wurde am 15. April 1875 in der kleinen Gemeinde Lengenfeld die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Die Mannschaftsstärke belief sich auf immerhin 37 Mann. Frauen sollte es erst viel später bei der Feuerwehr geben. Dies geschah auch in einigen Nachbargemeinden.
Freiwillige Feuerwehr Lengenfeld Berichte
In der ersten Zeit nach der Gründung mußte man sich noch mit primitiven Löschpraktiken, wie Eimerketten und Hausbrunnen, begnügen. Aber noch im Gründungsjahr 1875 bekam die Freiwillige Feuerwehr eine für die damalige Zeit hochmoderne Handsaug und Druckspritze für Handbetrieb und Pferdegespanne. Zur damaligen Zeit konnte Wasser mit dem vorhandenen Schlauchmaterial aus 100 m Entfernung gefördert werden.

Mit dieser Spritze versah die hiesige Feuerwehr ihren Dienst, bis sie im Jahre 1946 mit einer neuen Motorspritze "TS 8/8" mit Anhänger und Zubehör ausgerüstet wurde.

Im Jahre 1911 wurde die Wasserleitung von Pitzling über Ummendorf nach Lengenfeld gebaut. Dies war ein großer Fortschritt für das Löschwesen, wenn auch der Leitungsdruck noch relativ gering war.

In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 wurde die Gemeinde von größeren Schäden durch Kriegseinwirkungen verschont. Die meisten der Feuerwehrmänner waren jedoch im Kriegsdienst und anschließend in der Kriegsgefangenschaft. Viele von ihnen kamen leider nicht mehr aus dem Krieg zurück und so war die Feuerwehr nur noch schwach besetzt.

Im August 1942 beschloß der Lengenfelder Gemeinderat eine Motorspritze mit Schläuchen zu kaufen. Leider war eine Auslieferung während des Krieges nicht mehr möglich.

Bei verschiedenen Bränden mußte die Freiwillige Feuerwehr Lengenfeld immer wieder ihre Schlagkraft beweisen. Besonders hart wurde die Feuerwehr in den Jahren 1950 bis 1955 gefordert. In dieser Zeit ereigneten sich fünf Brände durch Blitzschlag. Beim Brand des Anwesens Bartholomäus Schäffler im Jahre 1950 wurde das Übergreifen der Flammen zum Anwesen Förstl mit der alten Handpumpe aus dem Jahre 1875 verhindert. Da das Löschwasser fehlte, wurde kurzerhand mit Odel aus Förstls Odelgrube gelöscht.

Die örtliche Wasserleitung (Durchmesser 100 mm) reichte für die Motorspritze nicht aus. Bei den Großbränden mußte das Löschwasser vom Dorfweiher in Pürgen geholt werden. Im Jahre 1954 wurde deshalb ein 120 m3 fassender Löschwasserbehälter errichtet. 1956 wurde auf diesem Löschwasserbehälter ein neues Feuerwehrhaus für 4600. DM erstellt. In den Folgejahren bekamen die Feuerwehrmänner erstmalig Schutzanzüge.

Für die nicht mehr zuverlässige Motorspritze beschaffte als Ersatz die Gemeinde im Jahre 1963 eine neue "TS 8/8" mit VWMotor.

Der vorhandene Anhänger war zu klein, deshalb wurde auch ein neuer "TSA8"Anhänger gekauft und die Ausrüstung der Feuerwehr auf den neuesten Stand vervollständigt.

Für die Alarmierung der Feuerwehr wurde im Jahre 1966 auf dem alten Schulgebäude eine Sirene montiert. Ab diesem Zeitpunkt mußte der Hornist nicht mehr zu Übungen und Ernstfällen durch die Ortschaft trompeten.

Durch die rege Bautätigkeit in den Gemeinden mußte die Pöringer Wassergruppe ihre Leitungsnetze erneuern und erweitern. Bei Ummendorf wurden zwei neue Tiefbrunnen gebaut, der Hauptstrang zu einem neuen Hochbehälter mit Druckerhöhungsanlage in Pürgen verlegt und bis nach Weil weiter gebaut.

Im Zuge dieser Baumaßnahme wurde auch die Gemeinde Lengenfeld an die Druckerhöhungsanlage angeschlossen und so ein wesentlicher Fortschritt im Löschwesen erreicht.

Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Lengenfeld haben seit jeher eine enge und freundschaftliche Beziehung zu den Feuerwehren der Nachbargemeinden.

Am 2.März 1974 wurde in der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Feuerwehrverein Lengenfeld gegründet.

Die kommenden Monate waren ausgefüllt mit den Vorbereitungen zur Fahnenweihe anlässlich des einhundertjährigen Gründungsfestes der freiwilligen Feuerwehr Lengenfeld vom 4. Juli bis 8. Juli 1975. Dank dem großen Einsatz aller Beteiligten und der Mithilfe der ganzen Lengenfelder Bevölkerung wurde daraus ein sehr gelungenes Fest.

Nach dem im Jahre 1975 fast das halbe Feuerwehrhaus zum Notschlachtraum umgebaut werden mußte, herrschte für die Feuerwehr ständig Platzmangel. In den Jahren 1986 und 1987 wurde deshalb ein Schlauchtrockenturm und eine Erweiterung (Wehrbachüberbauung) in Eigenleistung erstellt.

Zum großen Teil waren hier die selben, fleißigen Helfer am Werk, die sich auch beim heutigen Neubau hervorgetan haben. Vielen Dank an alle Helferinnen und Helfer.

Auf dem Schlauchtrockenturm fand auch die Sirene ihren neuen Standplatz, da sie nach dem Verkauf des alten Schulgebäudes dort entfernt werden mußte.

Die Aktiven der Feuerwehr Lengenfeld erreichen seit Jahren die höchsten Leistungsstufen. Nicht nur bei Großbränden hat sich die Freiwillige Feuerwehr Lengenfeld bestens bewährt. Sie hat Zimmer und Kaminbrände gelöscht, Waldbrände eingedämmt, bei Hochwasser Keller leergepumpt und in jüngster Zeit in mehreren Einsätzen technische Hilfeleistung bei schweren Verkehrsunfällen erbringen müssen. Alles bisher nur mit Traktor und Spritzenanhänger.

Seit September 1974 kümmert sich die Freiwillige Feuerwehr Lengenfeld jeden ersten Samstag im Monat im Ort um die Einsammlung und Entsorgung des örtlichen Altpapiers.

Natürlich gibt es neben den vielen Feuerwehrübungen und der Gerätepflege auch einige kulturelle Veranstaltungen, die von der Feuerwehr organisiert und durchgeführt werden.

So findet jedes Jahr im Sommer am Feuerwehrhaus ein Dorffest mit Blasmusik, Gegrilltem; Kaffee und selbst gebackenen Kuchen statt. Auch das traditionelle Maibaumaufstellen in der Ortsmitte liegt alljährlich in den bewährten Händen der Freiwilligen Feuerwehr.

Nachdem mittlerweile die 34 Jahre alte Motorspritze "TS 8/8" mit VWMotor die Maschinisten vor immer größere Probleme stellte und eine Reparatur nicht mehr wirtschaftlich war, hat sich die Gemeinde 1997 entschlossen eine neue Motorspritze "TS 8/8" des Typs Magirus zu kaufen.

Im Mai 1997 beschloß der Gemeinderat auf Antrag, dass die Freiwillige Feuerwehr in Lengenfeld durch Umbau und Erweiterung des bestehenden Gebäudes ein neues Feuerwehrgerätehaus erhalten soll.

Nachdem Zuschüsse der Regierung von Oberbayern für die Baumaßnahme erst nach einer langen Wartezeit von ca. 10 Jahren zu erwarten sind, erklärten sich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lengenfeld bereit, das Gebäude in Eigenleistung zu errichten.

Dafür erwarb die Gemeinde ein 400 m2 großes Grundstück.

Das neue Gebäude wurde von der Vorstandschaft so geplant und ausgearbeitet, daß es für die zukünftigen Bedürfnisse der Freiwilligen Feuerwehr ausreichen soll, d.h. dass auch ein Feuerwehrfahrzeug darin untergestellt werden kann.

Im November 1997 genehmigt der Gemeinderat den Bauplan und erteilt am 25. November 1997 aufgrund der dringenden Notwendigkeit eine vorzeitige Baugenehmigung.

Am 25. Juni 1998 ergeht mit dem Zuwendungsbescheid die endgültige Freigabe durch die Regierung von Oberbayern. Der Zuwendungsbescheid sah eine Kostenbeteiligung der Bayerischen Staatsregierung in Höhe von 35 Prozent vor.

Noch am selben Tag erfolgte der erste Spatenstich und der Humusabschub.
Durch die gute Organisation und Bauleitung des 1. Kommandanten Gerhard Straus und die vielen ehrenamtlichen Helfer beim Bau konnte bereits nach 75 Tagen am 8. September 1998 der Dachstuhl aufgestellt werden. Bereits vor Weihnachten 1998 konnte die Freiwillige Feuerwehr mit ihren Gerätschaften provisorisch in die beiden Hallen des Neubaus einziehen.

Im Frühjahr 1999 ging es mit den Verputzarbeiten und dem Innenausbau der Unterrichtsräume zügig weiter. Kurz vor Weihnachten 1999 wurde der Vorplatz asphaltiert.

Mit Ausnahme der Zimmerarbeiten wurden bisher alle Arbeiten in Eigenleistung der Feuerwehrmitglieder erbracht. Ob Aushub der Baugrube, Beton und Maurerarbeiten, Innenputz, Teile des Aussenputzes, Elektro, Sanitär und Heizungsinstallation, Isolier und teilweise Holzdeckenarbeiten, Maler und Reibeputzarbeiten, Fliesenleger und Reinigungsarbeiten die Feuerwehrmänner, aber auch ihre Familienangehörigen waren oft bis spät in der Nacht auf der Baustelle tätig.

Mit 31. Dezember 1999 wurden dadurch 5.500 Arbeitsstunden ehrenamtlich geleistet. Bis zur geplanten Fertigstellung an Ostern 2000 werden noch in etwa 500 Arbeitsstunden folgen. Durch diesen enormen freiwilligen Arbeitseinsatz konnten die Baukosten für die Gemeinde erheblich gesenkt werden.

Im Frühjahr 1999 wurde vom Hochbehälter in Pürgen eine neue Wasserleitung (Durchmesser 200 mm) zum neuen Gewerbegebiet in Lengenfeld verlegt.

Das Gewerbegebiet wird bereits von Lengenfeld aus versorgt. Die neue Wasserleitung erhöht als Ringleitung die Versorgungssicherheit und entlastet die 90 Jahre alte Leitung mit Durchmesser 100 mm von Pürgen über Ummendorf nach Lengenfeld. Da die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr Lengenfeld mit einem Löschgruppenfahrzeug längst überfällig war, beschloß der neugewählte Gemeinderat Pürgen bereits im Jahre 1990, daß die Lengenfelder Wehr bis zum Jahr 1995 ein Fahrzeug erhalten sollte.

Leider verzögerte sich diese Maßnahme immer wieder. Im Mai 1999 entschied der Gemeinderat endgültig den Kauf eines Löschgruppenfahrzeuges LF8/6 und die Beantragung eines Zuschusses bei der Regierung von Oberbayern.

Nachdem die Bezuschussung mit 35 Prozent genehmigt wurde, erfolgte am 22. Juli 1999 der Kauf eines Fahrgestelles von DaimlerCrysler AG und sechs Wochen später der Kauf des Aufbaues bei der Firma Metz.

Die Ausrüstung wird die Firma BASBrandschutz liefern. Die Fertigstellung und Übergabe des Fahrzeuges soll Ende März 2000 erfolgen.

Durch den unermüdlichen Einsatz des ersten Kommandanten Gerhard Straus und der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer konnte mit dem gelungenen Neubau des Feuerwehrgerätehauses und der Anschaffung des neuen Löschgruppenfahrzeuges ein großer Fortschritt für den Ortsteil Lengenfeld und der Gemeinde Pürgen erreicht werden.

Vielen Dank an alle Beteiligte.