Geschichte von Lengenfeld



(Kreisheimatbuch S. 582-584)
Lengenfeld liegt an der Staatsstraße Landsberg-Weilheim, 657 Meter ü. d. M. Die Nord-Süd-Ausdehnung der ansteigenden Flur beträgt 3,4 km. Die West-Ost-Breite mißt im größten Abstand 2,1 km. Die Gemarkung umfaßt eine Fläche von 451 ha. Die Lengenfelder Flur schließt sich dicht an einen würmeiszeitlichen Moränenzug an, der von Thaining herzieht und Hagenheim streift, meist mit Nadelwald bestockt. Die etwa vor einem Jahrhundert erfolgte Aufforstung mit Fichten verleiht der ebenen Flur einen deutlich sichtbaren Abschluß im Osten. Früher mögen mehr Buchen- und Eichenbestände dem Landschaftsbild ein freundlicheres Aussehen verliehen haben. Zwischen der obengenannten Hügelkette und jener, die von Pflugdorf-Stadl kommend über Stoffen und Ummendorf bis Pürgen verläuft, befindet sich eine flache Talmulde, in der die Gletscherschmelzwasser in nördlicher Richtung abzogen. In dieser Abflußrinne und flachen Senke liegt Lengenfeld. Den östlichen Teil der Gemarkung nimmt ein magerer Geröllboden ein, gegen Westen herrscht tonige Moräne, die fruchtbar ist.
Die Talrinne verläuft weiter nordwärts, östlich an Pürgen vorbei. Der von der östlichen Moränenhügelkette hereinragende Schotter beteiligt sich am Aufbau der breiten, flachen Rinne; darüber liegt nur eine ziemlich seichte, 30 - 50 cm tiefe Humusschicht ohne Lehmunterlage. Der östliche Teil der Flur ist weniger fruchtbar. Es wird aber trotzdem auch in diesem Feld Weizen gebaut. - Die Hügelwelle westlich vom Dorfe weitet sich bis Stoffen hin; hier finden sich frische Böden, aber auch mehr stauende Nässe, die zur Verbesserung der Wiesen führt. Dort ist der gegebene Weizenboden. Der Name Lengenfeld, im 18. Jh. »Längenfeld«, dürfte sich aus der Ausdehnung der Flur und des langgestreckten Straßendorfes erklären (Tochtersiedlung). Über die erste urkundliche Erwähnung des Namens handeln die Landsberger Geschichtsblätter vom Jahre 1909 (S. 37/38) unter dem Titel: »Pfarrherren im Bezirk«. In einem Rechtsstreit zwischen Hans Pflugdorfer in Landsberg, Lehensherr der Kirche und des Kirchenschatzes in Stauffen (= Stoffen) und Gößwein Hunthammer, als dem Erben dieser Gerechtsamkeit und Heinrich Igelpeckl, Kirchherr in Stoffen, einerseits, dann dem Kloster Rayttenbuch (Rottenbuch) sowie dem Konrad Kastner, Pfarrherr in Schwifting, kamen beide Parteien am 20. Januar 1420 zu einer Einigung. »Dagegen gab das Kloster Rayttenbuch seinen Zehent zu Stauffen, den dortigen Klosterhof und alle pfarrlichen Rechte nebst einigen Besitzungen zu Längenfeld und einer Hubt zu Kaufering an die Gegenpartei.« - In einer Urkunde des Jahres 1171 wird »Lengenvelt« zum ersten Mal genannt. (VST. I, 498) 2. urkundl. Erwähnung 1270 (MB 36 S. 202).
Im Jahre 1809 hatte das Dorf 35 Häuser, darunter vier Fünftel kleinere Söldneranwesen und nur 7 große Bauern. Der bedeutendste Hof war damals der Pfeiferbauer. Zu den Halbhöfen (Huben) zählte der Wirt, der Sattlerbauer, der Davidbauer, der Hasenbauer, der Fuchsbauer und der Blasslbauer. Als Grundherren begegnen uns im 17. und 18. jh. die Hofmark Igling mit 8 Anwesen, die Klöster Polling und Benediktbeuren je 7, die Filialkirche Lengenfeld 5, das Heilig-Geistspital Landsberg und das Kloster Andechs je 3, sowie die Gemeinde Lengenfeld mit 2 Anwesen. Etwa 4-5 Minuten südlich des Ortes, auf der sogenannten Roßwiese westlich der Hauptstraße, befinden sich heute noch 7-8 flachgeackerte, ca. 5o cm hohe Rundhügel, die vermutlich eine Fortsetzung der Hügelgräber zwischen Pürgen und Hofstetten darstellen. Letztere stammen aus der Hallstattzeit, ungefähr 600-700 v. Chr. Sie weisen in den Ornamenten der Gefäße auf orientalischen Kultureinfluß. Am Nordausgang von Lengenfeld zieht unmittelbar westlich neben der Hauptstraße, ein nord-südlich verlaufender übergraster Straßendamm hin. Es könnte sich hier um eine ältere Straßenanlage handeln. Die kleine Filialkirche St. Nikolaus - zur Pfarrei Stoffen gehörig - liegt in der Mitte des Straßendorfes. Sie wurde um 1755 von dem Münchner Hofmaurermeister Lorenz Sappl erbaut (s. Andechs) und mit einer reizvollen Rokokoausstattung versehen. Auf der Westseite befindet sich der Turm mit einer geschwungenen Zwiebelhaube, östlich die Sakristei mit hübschem Schweifgiebel.
Der außen dreiseitig schließende Chor ist innen ausgerundet, die breiten, hochliegenden Fenster sind stichbogig und weisen auf eine enge bauliche Verwandtschaft mit der Kirche im benachbarten Pflugdorf hin. - Die Kirche besitzt drei Stuckmarmor-Altäre um 176o von Nikolaus Schütz, Landsberg, dem auch der an Dom. Zimmermann erinnernde Stuck zuzuschreiben ist. Der Hochaltar hat Scagliola-Antependium und seitliche Durchgänge mit Volutenbekrönung in Rocailleschnitzwerk. Die Deckenfresken zeigen im Chor St. Nikolaus, im Langhaus St. Wendelin. Die Bilder des Hochaltars und des rechten Seitenaltars (St. Nikolaus bzw. St. Wendelin) stammen von Johann Baader (1756 und 1762), von dem sich im südlichen Kreisgebiet zahlreiche Werke befinden. Von der älteren Einrichtung sind noch die Emporenbrüstung mit Rautenfeldern und mehrere gute Holzfiguren von Luidl zu erwähnen. Einige Votivtafeln deuten auf die Verehrung des Viehpatrons St. Wedelin im 18. und 19.Jh. Die Feldkapelle am Kirchenweg nach Stoffen wurde von dem Junggesellen Pius Geisenberger im Jahre 1884 gestiftet. Am Nordausgang der Hauptstraße Lengenfeld-Landsberg steht ein steinernes Feldkreuz, 189o gestiftet von Fanülie Wiedemann in Utting. Links und rechts vom Eingang in die Kirche sind 3 Tafeln, eine in Bronze, zwei in Stein, zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege angebracht. Im Jahre 1935 erhielt die Kirche 2 neue Bronzeglocken aus der Glockengießerei Gebhart-Kempten. In den Kriegsjahren 1939-1945 mußten 2 von den 3 Glocken abgeliefert werden. Es verblieb nur die kleine Wendelinglocke, die bis 1949 den Dienst versah. Diese kaufte nach Beschaffung von 3 neuen Glocken das Stadtpfarramt Landsberg. Dank der Initiative des Gemeinderates, an der Spitze Bürgermeister Happach, weihte 1949 Pfarrer Wegler-Stoffen das neue Geläute ein. 1962 erhielt die schiefergedeckte Zwiebelhaube ein Kupferdach. 1972 erhielt die Kirche ein neues Äußeres mit dezenter Architekturmalerei (schwarz-gelb), die auf alte Funde zurückgeht. Die einst bäuerliche Gemeinde, aber immer schon mit Handwerk gut besetzt, wandelte sich 1950 zur gemischten Struktur. Die Wohnhäuser haben sich verdoppelt, aber nicht die Einwohner. Der Kreis schuf 196o das erste Siedlungswerk, damals noch bei Baupreisen von 3,- DM/qm, das nur gelang, weil der Kreis rechtzeitig 17 Tagwerk Tauschland erwarb. Die landwirtschaftlichen Betriebe gingen um die Hälfte zurück, ihr Viehbestand und ihre Erzeugung haben sich hingegen verdoppelt. Das letzte Ackerpferd mußte 1961 dem Traktor weichen. Schon 1912 wurde die Wasserversorgung durch Anschluß an die Pöringer Gruppe gelöst. Seit 1920 ist die Stromverteilungsstelle der LEW für 33 Gemeinden in Lengenfeld. Neben dem schweren Verlust an 26 Gefallenen in 2 Weltkriegen hinterließen die Kriegsereignisse keinerlei Spuren.
Nach 1945 nahm der Ort einen erfreulichen Aufschwung. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde 1951 ein Leichenhaus und 1954 ein neues Feuerwehrhaus mit darunter liegendem Löschwasserbehälter (120 cbm) erstellt. Durch die Verlegung des Anwesens Trischberger (Brandleider) stand 1956 einer Begradigung der starken Kurve zwischen Kirche und Poststelle nichts mehr im Wege. Die Verbindungsstraßen nach Stoffen und Hagenheim wurden 1958 und 1961 geteert, in den weiteren Jahren alle Ortsstraßen, die Wirtschaftswege nach Ummendorf und vom Streicherhof nach Pflugdorf. Viel Mühe kostete die Flurbereinigung. 14 km neue Feldwege durchziehen die Grundstücke. 1961 erfolgte die Übergabe der neu eingeteilten Felder an die nunmehrigen Besitzer. Es entstand ein Kostenaufwand von 400 000 DM. Leider ist der Ort vom Mißgeschick nicht ganz verschont geblieben. Innerhalb von 5 Jahren (1950-54) wurden 6 bäuerliche Anwesen durch Blitzschlag eingeäschert. Die Vereinstätigkeit erhielt eine neue Belebung mit der Gründung eines Fußballvereines im Jahre 1961. Gemeinde und Landkreis stellten großzügig Gelände für Sportplätze zur Verfügung. Der Schützenverein (gegründet 1892) richtete sich in der Gaststätte großartig ein. Der genossenschaftliche Gedanke fand seine Verwirklichung in der Gründung der Molkereigenossenschaft im Jahre 19o8 und des Raiffeisenvereins im Jahre 1911, nun vereinigt mit der Raiffeisenbank Lechrain Vilgertshofen. Die ehemalige Käsküche, wie bei uns die Molkereien hießen, wurde an einen Privatmann verkauft. Als Bürgermeister wirkten nach dem 2. Weltkrieg Georg Riedenauer von 1946 bis 1948, Landwirt Anton Happach von 1948-1972. Mit den Nachbargemeinden Ummendorf schloß sich Lengenfeld im Zuge der Gemeindereform ab 1. Juli 1972 mit Pürgen freiwillig zu einer neuen Gemeinde zusammen. Bürgermeister der Gesamtgemeinde ist seit 1972 Josef Holzheu, LEW Bezirksmeister, Jahrgang 1923. Das starke Bindeglied der Staatsstraße Landsberg-Weilheim und die Platzbeschaffung gaben den Ausschlag, daß von den neuen gesamtgemeindlichen Einrichtungen der Kindergarten (1977) und die Grundschule (1978), am nördlichen Ortseingang von Lengenfeld entstanden. Die 1922 erbaute Schule - bis dahin gingen die Lengenfelder Kinder in die Schule nach Stoffen - wurde verkauft zu privater Nutzung. Die in Planung befindliche Mehrzweckhalle für die Gemeinde Pürgen soll hier die Anlage vollenden. Die Bautätigkeit im Ortsbereich war bisher für neue Eigenheime sehr günstig, zahlreiche Gehöfte und Wohnhäuser wurden grundlegend renoviert. Man kann sagen, daß die siebziger Jahre von Gemeinde und Bürgern gut genützt wurden, um den kleinen Ort noch schöner gestalten. Außer Landwirten im Haupt- und Nebenerwerb sind noch ansässig ein Baunternehmen, eine Autowerkstätte, eine Landmaschinenwerkstätte bzw. Heizungsbaubetrieb sowie 2 Gaststätten. Die Mehrzahl der Einwohner pendeln als Handwerker, Arbeiter und Angestellte hauptsächlich nach Landsberg und Penzing (Standortverwaltung).