Entstehung des Wortes Pürgen



Die älteste Schreibweise ist um 740 Piringa in "Monumenta Germaniae", 1033 Pirigen. Ein Geschichtsschreiber namens "Meichelbeck" schreibt 1708 in seinem Archivum Benedictoburanum: "Pirgen, dass man bisweilen auch Birgau schreibt". Die damaligen Begriffe änderten sich in dem Laufe der Zeit in das uns geläufige Pürgen.

 

Geschichte von Pürgen



Inmitten der reizvollen Moränenlandschaft ist Pürgen (648,2 m ü.d.M.) auf der Lechhochterrasse aufgebaut, ein Teil des Dorfes liegt am Nordhang des Kapellenberges, der übrige Teil in der Talsenke zu Füßen der drei Hügel: des Kapellen-, des Mühl- und des Diensberges. Mitten im Dorf ist ohne direkten Zufluß der Dorfweiher. Durch den Ort zieht die ehemalige Staatsstraße Landsberg-Weilheim und nach Dießen a. A. in 12 auffallend scharfen Kurven.
Der Kapellenberg (672 m ü. d. M.) ist ein einzelstehender Hügel, Umlaufberg (auch »Lueg ins Land«) genannt, und gibt Zeugnis von der Flußschlinge eines letzteiszeitlichen Schmelzwassertales. Von dieser Erhebung aus hat man einen sehr schönen Rundblick. Gegen Westen finden sich typische aus der Eiszeit stammende Durchbruchtäler, die sich trompetenartig gegen das Lechtal hin öffnen und der Gegend ein malerisches Bild verleihen. Schon Wening (1726) nennt 2 kleine Weiher, von denen der eine sog. Egelsee bei der Flurbereinigung 1950/55 eingefüllt wurde, und lobt den »guten Traidtboden«.
Die erste Kulturentwicklung beginnt für unsere Gegend in der älteren Eisen- oder Hallstattzeit, etwa um 1ooo v. Chr. Man vermutet eine größere vorgeschichtliche Siedlung auf Grund des Ortsnamens, der strategisch wichtigen Lage, die auch im großen Manöver 1896 in prägnanter Weise erkannt wurde, des eigentümlichen Zuges der Dorfstraße und der am Frauenwald im Südosten des Dorfes liegenden Totenstadt. Von den früher angeblich vorhandenen 200 Grabhügeln sind im Jahre 19o8 nur noch 63 gezählt worden. Zum Gemeindegebiet gehören davon rund l5 Hügel im freien Wiesengelände nördlich der Hofstettener Straße, die, mit einzelnen Fichten bewachsen, ein eindrucksvolles Landschaftsbild bieten. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg wurden einige gefährdete Hügel untersucht und dabei Brand- und Skelettbestattungen mit geschmackvoll verzierten Hallstattgefäßen freigelegt. Einem Grab war ein altgriechisches Bronzebecken (45 cm im Durchmesser) mit kleinen Buckelperlen beigegeben. In dem Becken befand sich eine prächtige kleine, runde Tonschale (12 CM Durchmesser; 4,5 cm tief, mit Graphit glänzend gefärbt. Dieser selten schöne und wertvolle Gegenstand ist ca. 700 v. Chr. gefertigt worden und befindet sich im Landsberger Museum. Vermutlich kam er aus einer ostgriechischen Kulturstätte über Marseille (dem damaligen Massilia) als Importware in unsere Gegend. Im Leichenbrand lagen noch sehr kleine runde Bronzeplättchen. 2 römische Nachbestattungen in einem solchen Hallstattgrab und Münzfunde, sowie ein aus Ägypten hergebrachter Fund belegen die Anwesenheit der Römer. Gegenüber dem Wirtshaus in Pürgen wurde aus der Zeit 1ooo-9oo v. Chr. ein ägyptischer Eingeweidekrug gefunden, der jetzt im Münchener Antiquarium ausgestellt ist. Nach der Inschrift war der Krug zur Aufbewahrung der Eingeweide des Herrn Hui, eines »Obersten der Soldtruppen und Vorstehers der Fremdländer in Libyen« bestimmt.
Ein seltsamer Bodenfund im untersten Turmraum in 1,35 m Tiefe unter dem Turmfenster wurde entdeckt: In einem Tuffsteinsarg lag ein Skelett, dem kleine Bronzeplättchen beigegeben waren. Meichelbeck schreibt anfangs des 18. Jhs. in seinem »Archivum Benedictoburanum«, daß Graf Engildeo in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts das ganze Pürgen dem Kloster Zugebracht hatte. Bei der allgemeinen Enteignung durch Herzog Amulf (907-937) ging jedoch fast der ganze Besitz dem Kloster verloren. Erst unter Kaiser Heinrich III. (1039 - l056) erhielt Benediktbeuern wieder einen Teil zurück. Außer Benediktbeuern waren auch die Klöster Polling und Wessobrunn (erwähnt 128o) in Pürgen begütert.
Pürgen und Phetine waren in der Frühzeit eine Pfarrei, bestätigt in den Bullen der Päpste Alexander III. 1179, Honorius 1219 und Bonifaz 1401. Der erste Pfarrer, der mit Namen genannt ist, war ein Konventuale von Wessobrunn, Konrad Pozzo, genannt 1227.
Pürgen bildete eine eigene Hofmark. Die ersten Besitzer waren die Pfettner, ein heute noch lebendes Geschlecht. Ursprünglich hatten sie ihren Sitz auf dem Landsberger Schloßberg, dem damaligen »Castell Phetine mit einer Peterskapelle«. Der älteste Pfettner ist Ortolph de Phetine 1146; Penzing und Pürgen waren ihre ältesten Besitzungen. Am 24. 4.1405 überwies Ulrich von Pfetten den Kirchensatz und das Patronatsrecht zu Pürgen dem Kloster Wessobrunn, einer alten Begräbnisstätte seines Geschlechts, für eine ewige Seelenmesse. 1525 fiel das Allodialgut Pürgen an Sebald Pfettners Schwester Barbara von Höhenkirchen und deren Nachkommen, von denen es 1595 der kaiserliche Referendar Joh. Jak. Eisengrein kaufte. Nach dem Tode des Eisengrein, der am 29. 1. 1598 zu Prag ohne Leibeserben starb, kam die Hofmark 1606 an seine Schwägerin, die Schwester seiner Gattin, Corona von Burgau und deren Gemahl Joh. Diepold von Burgau.
Ab 1758 wechselten rasch die Besitzer der Hofmark: 1758 Oberst von Wadenspan, 1779 Hofrat Joh. Nep. Schmeger, 1781 gantweise wieder an die Wadenspan, 1782 an dessen Schwiegersohn Franz Johann Schmeger und 1786 an Hofrat Judas Thadd. von Ziegler. Am 17. 4.1830 starb der letzte Besitzer, Hofrat von Ziegler, und bald darauf, 1833, seine Gattin. Von der Vormundschaft der 4 zurückgelassenen unmündigen Kinder wurde der ganze Besitz an H. Mayer und Lichtenstein von München um 30 000 - 40 000 fl verkauft und von den neuen Besitzern zertrümmert.
Die älteste Schreibweise ist 740 Piringa in »Monumenta Germaniae«, 1033 Pirigen. Meichelbeck schreibt 1708 in seinem »Archivum Benedictoburanum: »Pirgen, das man jetzt auch bisweilen Birgau schreibt«.An das Schloß erinnern noch die Hausnamen: Schloßbauer, früher das Schloßgut; Jäger; Jagerkaspar; Polizei, hier soll früher das Arrestlokal der Hofmark gestanden sein. Die übrigen Hausnamen deuten auf Vorbesitzer, wie Denga (Denger), Schwabbauer (Bauer deutet auf größeren Besitz), oder Vornamen z. B. Gorima (früherer Besitzer war Schuhmacher mit dem Vornamen Gregor), Tobis (Tobias), Pandali (Pantaleon), Felizi (Fehlizitas hat 1914/18 in Abwesenheit des Mannes das Anwesen ganz allein geführt). Einige Hausnamen deuten auf den Beruf des Besitzers: Glaser, Wagner, Schäfer, Huckler (Krämerei), Saliter. Originell ist der Name Garaus, vielleicht wegen der Lage, da eben das Dorf »gar = aus« ist.
Manche Häuser wurden sichtbar von den Besitzern unter Gottes oder der Heiligen Schutz gestellt: Auf der Südseite des Hauses Nr. 13 (frühere Hs.-Nr.) befindet sich eine Mutter Gottes aus Holz aus dem 17. Jh. Es wird erzählt, daß 1892 das Anwesen niederbrannte, aber die Figur verschont blieb. Im Giebel des Hauses Nr. 66 (frühere Hs.-Nr.) steht eine sehr schöne alte Holzfigur: »Unseres Herrgotts Ruhe«, die ca. 186o beim Abbruch eines Kirchleins in der Nähe von Pitzling von den Besitzern ersteigert wurde.
Seltenere Flurnamen sind: Basiliacker, Eglseewiese, Eichberg-, Tiergarten-, Schinderacker an der Weilheimer Straße, Strittwäldleteil, Hofholz am Pitzlinger Weg.
Der Ort besitzt noch einige alte Bauernhäuser mit verschalten Giebeln, so die frühere Nr. 7 mit vorgebautem Pfründstüberl und die frühere Nr. 32 mit Söller und profiliertem Kopfbügen (2. Hälfte 17. Jh.). 1833 brannten 4 Häuser (Nr. 49, 50, 57 und 58) ab. Noch im Jahre 1856 wurde gerühmt, daß die Gemeinde sich besonders um die Erhaltung der Volkstracht bemühte.
In den napoleonischen Kriegen hatte Pürgen am 15. 9. 1796 Oberstleutnant von Utz der Condéschen Armee mit 4 Kompagnien Infanterie und 2 Eskadronen Grenzhusaren mit 6 Haubitzen zur Einquartierung. Im Weltkrieg 1914/18 wurden 5o Männer einberufen, gefallen sind 12 und 2 vermißt. 1939/45 mußten 90 einrücken, 26 sind gefallen und 10 vermißt.
Am 2. 7. 1960 erhielt Pürgen für das vom Landrat entworfene Gemeindewappen die ministerielle Zustimmung: in Silber ein gesenkter schwarzer Balken, oben schreitend ein rot bewehrter schwarzer Löwe, im Schildfuß ein grüner Dreiberg. Das Wappen stützt sich auf die ortsgeschichtliche Vergangenheit der Gemeinde. Es erinnert an die Herrschaft der Pfetten, die schon im 12. Jh. in Pürgen ihren Besitz hatten, sie bildeten eine eigene Hofmark. Das Geschlecht der Pfetten ist heute noch mit Pürgen eng verbunden, ihr Wappen ist auf Grabsteinen in der Turmkapelle der Kirche mehrmals zu erkennen. Der grüne Dreiberg weist auf den Schloßberg und die große Hügelgräbergruppe am Frauenwald hin.
Gleichzeitig wurde Pürgen zur Führung einer Gemeindefahne in drei Streifen in den Farben schwarz/weiß/grün die Genehmigung erteilt.
Das alte Schloß brannte im Schwedenkrieg größtenteils ab, noch 1700 schilderte Wening in seiner Topographia das Schloß als »ein uraltes, baufälliges, jedoch mit einem Wassergraben umgebenes Gebäu«. Im 18. Jh. aber wurde es mit einer Schloßkapelle, gut gewölbten Kellern, 11 Zimmern und einem Saal neu erbaut. Neben ansehnlichem Acker- und Wiesenland umfaßte der Besitz auch 425 Tagwerk Wald. Nun lobte von Obernberg 1815 die neue gefällige Form des Baues an der Südseite des Dorfweihers. Das älteste Katasterblatt von ca. 1810 läßt einen ost-west-gerichteten Hauptbau mit 2 quer dazustehenden langgestreckten Wirtschaftsgebäuden erkennen. 1835 wurden die gesamten Gebäude bis auf den Pferdestall abgetragen. Nur noch eine Gedenktafel an dem neuen Haus an der Stelle des Schlosses erinnert an die vormalige Stätte.
Schon in den ältesten Zeiten wird das Widem in Pürgen erwähnt. Die Baupflichtigen des Pfarrhofes, das Kloster Wessobrunn und die Hofmarkherrn versuchten stets die Baulast auf den Ortsgeistlichen abzuwälzen. Das heruntergekommene Pfarrhaus wurde 1579 verkauft und erst 1618 erstellte Pfarrer Melchior Jakob ein neues Gebäude, das im Schwedenkrieg wieder abbrannte. Pfarrer Michael Karg renovierte 1661 bis 1663 den Pfarrhof, der hinter dem Sedlhof lag. Das heute noch stehende Pfarrgebäude mit hübschen Deckenstuck in einigen Räumen baute Pfarrer Simon Thadd. Settele 1742 neu und Ende des 19. Jhs. richtete Pfarrer Michael Meitinger den Pfarrhof »gleich einem Schlößchen« her, wobei die Gemeinde 2348 Mark freiwillig stiftete. 1945 gestaltete der Caritas-Verband den Pfarrstadel zu einem Altersheim für ca. 2o Leute um, die von Schwestern der hl. Familie, München, betreut wurden. Seit 1. 9. 1963 ist das Heim aufgelöst.
Nach dem 30jährigen Krieg wurde auch in Pürgen gelegentlich eine Schule erwähnt. 1757 wurde der Schulmeister bei einer Visitation gelobt, doch mußten die Schüler manchmal auch nach Stoffen zum Unterricht gehen (erwähnt auch 1779). Zur Bestreitung des Schulgeldes für arme Kinder vermachten 1786 Pfarrer Anton Brecheisen 100 fl, sein Nachfolger Matthias Lacher 1827 an 300 fl, Pfarrer Stollreither 1865 nochmals 50 fl und der Ortsgeistliche Adolf Schneider 1888 sogar 2500 Mark. Ein neues Schulhaus wurde 1819 gebaut, das 1852 um 782 fl erweitert wurde, da die bisherige Schule für 38 Werk- und 24 Feiertagsschüler zu klein geworden war. Die ständig wachsende Schülerzahl erforderte einen neuerlichen Umbau im Jahre 1867 und 1907 für 15 800 Mark.
Weitaus das wichtigste und interessanteste Bauwerk ist die nochgotische Pfarrkirche St. Georg aus der Zeit um 1500 mit Spitzbogenfenstern und eingezogenem, dreiseitig schließendem Chor. Der massige Sattelturm auf der Nordseite mit frühgotischen Rundbogenfriesen enthielt ehemals in seinem Untergeschoß den Altarraum. Hier wurden 1899 bedeutende Wandgemälde aus der 2. Hälfte des 14. Jhs. aufgedeckt (1905 restauriert). Die Tempera-Malereien zeigen an der Ostwand eine Kreuzigungsgruppe mit dem knieenden Stifter Ulrich dem Pfettner (1359-1408), an der Nordwand St. Georg, südlich 6 Heilige und an der Decke Christus in der Mandorla mit den Evangelistensymbolen und Spruchbändern. Der zu einer schlichten Seitenkapelle eingerichtete Raum mit Kreuzrippengewölbe ist von eindrucksvoller Wirkung; er enthält außerdem eine Reihe bemerkenswerter Epitaphien des 16. und 17. Jhs., meist Kindergrabsteine der Geschlechter Pfettner und Höhenkirchner. Das Innere der 1955 nach Westen verlängerten Kirche ist mit barocken Stukkaturen ausgestattet: an der Flachdecke des Langhauses geometrische Felder, am gotischen Gewölbe des Chores älter wirkende, doch wohl um 1725 entstandene Stuckornamente. An der Südwand die Jahreszahl »1500« und 3 Meisterzeichen (am 8. 4. 1500 legte Abt Heinrich von Wessobrunn den Grundstein zur jetzigen Kirche). Der Hochaltar mit freigestellten Doppelsäulen und die einfacheren Seitenaltäre stammen aus der Zeit um -1765; auf dem linken schöne Muttergottes des 17. Jhs., an der Nordwand eindrucksvoller Kruzifixus, 1. Hälfte 16. Jh. Das überlebensgroße Christophorusbild an der östlichen Choraußenwand wurde 1959 über alten Resten erneuert. 1975 wurde die Kirche außen und innen restauriert, wobei unter anderem die alten, aufgemalten Zifferblätter am Turm zum Vorschein kamen und der Stuck seine ansprechende Fertigkeit erhielt.
Die Bürger steuerten zu den Renovierungskosten jeweils erheblich durch Spenden bei, was Pfarrer Konrad Kormann's Sorgen erleichterte.
Um 1450 wurden 18 Herdstätten in Pürgen gezählt, die sich bis zum Anfang des vorigen Jhs. auf 72 Wohngebäude vermehrten, davon allein 59 Söldhäuser; außerdem 4 1/8-, 4 1/4- und 1 5/16-Gütl, ein halber und ein ganzer Hof. Die damaligen Grundherrn sind gerade in Pürgen schnell aufgezählt: Außer dem zum Hl. Geist-Spital Landsberg gehörenden Marxbauernhof und dem zum Kloster Benediktbeuem grundbaren »Jodlbauern« mit einer Sölde waren Striche Anwesen zur Hofmark Pürgen freistiftig. Insgesamt wurden 1818 300 Seelen gezählt. 1867 registrierte man 364 in Pürgen, 14 in Thalhofen und 10 Bewohner im Schönbühl. Die Bevölkerungszahl blieb bis zum 1. Weltkrieg fast gleich.
In der Nähe des Ortes liegt die sehr alte Einöde Thalhofen, früher zur politischen Gemeinde Reisch, jetzt zur Stadt Landsberg a. Lech gehörend; doch schon seit langer Zeit ist Thalhofen bei der Pfarrgemeinde und beim Schulsprengel Pürgen. Dort befand sich früher der Zehentstadel des Klosters Wessobrunn. Weiter auf der Landstraße nach Landsberg ist die Einöde Freienfeld, die erst um 1816 entstand und zur politischen Gemeinde Landsberg einbezogen ist; sie wurde am 27. 6. 1910 von der Stadtpfarrei in die Pfarrei Pürgen umgepfarrt. Zu erwähnen ist auch noch die abgegangene Einöde Schönbühl (Schönbichl, 1509 »Schönpühel«); sie befand sich 2 1/2 km ostwärts auf dem gleichnamigen Hügel.
Vom Gemeindegeschehen seit 1948 unter Bürgermeister Schlampp ist außer dem bereits Erwähnten noch zu berichten: der Ankauf neuer Glocken mit elektr. Geläute, 1951 die Friedhoferweiterung und später der Neubau des Leichenhauses. Ferner hat die Gemeinde das Kriegerdenkmal erneuert und das Schulhaus vollständig renoviert. Schon im Jahre 1901 wurde die Staatsstraße Landsberg-Weilheim, die vorher zwischen Kirche und Pfarrhof durch das Oberdorf führte, östlich vom Pfarrhof verlegt und jetzt wurde das ganze Straßennetz (1130 m) modernisiert und mit einer Kanalisation für Oberflächenwasser versehen. Durch die Flurbereinigung 19-5o/55 wurden die Leistungen der 45 landwirtschaftlichen Betriebe sehr gefördert. Die Bautätigkeit hat seit i95o einen großen Aufschwung genommen. Das Dorfbild gewann auch durch den Ausbau des Dorfweihers und durch die von der Schule durchgeführte Anpflanzung von Linden, Eichen und Hecken. Das gesellige Leben wird durch den Gesang-, Schützen- (seit i952) und den Kriegerverein (seit -1922) sehr gepflegt. Nach dem Tode von Bürgermeister Schlampp (1946-1966) wurde Georg Heilberger, Landwirt, zum Bürgermeister gewählt und übte dieses Amt bis 3o. 6. 1972 aus. Durch die Gemeindereform wurde Pürgen ab 1. 7. 1972 dank seiner günstigen Verkehrslage ein kommunaler Mittelpunkt. Die Gemeinden Lengenfeld, Stoffen und Ummendorf gaben 1972 ihre politische Selbständigkeit auf und vereinigten sich mit Pürgen. Damit wuchs die Einwohnerzahl der Gesamtgemeinde zum 3-1. -i2. 1972 auf 1938 Personen. Ab Juli 1972 wird Josef Holzheu zum neuen Bürgermeister der Gesamtgemeinde gewählt. Er ist Bezirksmeister der Lech-Elektrizitätswerke Augsburg (LEW), wohnhaft in Lengenfeld. Mit Beschluß des Gemeinderates vom 7. 10. -1975 wird das Wappen der ehemaligen Gemeinde Pürgen für die Gesamtgemeinde angenommen.
Am 1. 5. 1978 werden die Gemeinden Hofstetten und Schwifting mit Pürgen zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sämtliche Verwaltungsarbeiten werden nun im Rathaus Pürgen neben dem Postwirt erledigt, das 1979) eingeweiht wurde. 1972 wurde ein Baugebiet für den privaten Wohnungsbau ausgewiesen. 1975-1980 werden die Gemeindeverbindungsstraßen Pürgen-Hofstetten, Lengenfeld-Ummendorf, der Wirtschaftsweg zur Frauenwies und Siedlungsstraßen in Pürgen ausgebaut. Schweren Herzens kam die 1979 eingeweihte Grundschule und der Kindergarten (1977) nach Lengenfeld, da die Grundstücksverhandlungen in Pürgen und auch die Verhandlungen mit der Regierung zu keinem Ziele führten. 1979 wurde nach einjähriger Bauzeit das neue Rathaus eingeweiht. Seit der Schulreform werden die Klassen 1-4 (Grundschule) in der neuen Schule Pürgen-Lengenfeld mit 6 Lehrkräften geführt, die Schüler der Klassen 5-9 besuchen die Hauptschule Landsberg. Noch ist bei der neuen Schule in Lengenfeld eine Turnhalle bzw. Mehrzweckhalle geplant, die auch kulturellen Veranstaltungen, z. B. für die Jugend und die Senioren, dienen soll. Das Vereinsleben, an dem sich immer die Vitalität einer Gemeinde orientiert, ist in Pürgen rege: es gibt 2 Schützenvereine, 1 Veteranenverein, 1 Musikkapelle, 1 Tennisclub, 1 Gesangverein, 1 Feuerwehrverein mit Stützungspunktfeuerwehr und einem Löschfahrzeug LF 8, das die Gemeinde 1979 um 142 ooo DM anschaffte.
Die Landwirtschaft, früher der dominierende Wirtschaftszweig, konzentriert sich langsam auf wenige Mittelbetriebe. Sorge bereitet die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, da im gesamten Gemeindebereich nur noch 2 kleine Geschäfte vorhanden sind; eingekauft wird also überwiegend in Landsberg. An weiteren Betrieben sind 1 Baugeschäft, 1 Möbelhaus, 1 Kunststoffverarbeitungsbetrieb, Schreiner, Bäcker, Metzger, Friseur und 1 Motorradwerkstätte vertreten.