Stoffen

 

Ansicht Ost 1984
Ansicht von Osten (1984)

Geographische Lage

Wer den kleinen Ort Stoffen sucht, findet ihn etwa auf halbem Wege zwischen Landsberg und der bekannten Wallfahrtskirche Vilgertshofen. Abseits vom großen Getriebe, liegt das 500 -Seelen-Dorf zwei Kilometer ostwärts des Lechs an einen landschaftsbeherrschenden Hügel, das sog. „Fuchsloch“ gelehnt. Daß ein Berg nun ausgerechnet „Loch“ heißen soll, mutet zunächst etwas kurios an. Der Name dürfte sich aus der dort gelegenen Flur „Fuchslaich“ über den Dialekt des Lechrains zu -loach und später zu -loch gewandelt haben. Die markante Erhebung, 681 m über NN, gibt den Blick im Norden frei bis nach Kaufering, im Westen grüßen Ellighofen und Erpfting, während im Süden erst die Alpen den Horizont bilden. Dieses Wahrzeichen Stoffens gilt als seine eigentliche Geburtsstätte.
Aufstieg Fuchsloch 1932
Aufstieg zum Fuchsloch um 1932

Geschichte

Menschliches Leben in diesem Raum kann bereits im 1. Jahrtausend v.Chr. vermutet werden. So deuten drei kleinere Gruppen von insgesamt 19 Hügelgräbern im nahe gelegenen „Schlegelwald“ auf diese Zeit.
Grab
Thomas Meßmer fand in den zwanziger Jahren beim Abgraben einer Böschung in etwa zweieinhalb Metern Tiefe eine faustgroße, gebrannte, durchlochte Tonkugel. Das Konservatorium der prähistorischen Sammlung in München hat die Kugel als „prähistorisch“ eingeordnet und vermutete, daß es sich dabei um einen Keulenknauf gehandelt haben könnte. Die erste schriftliche Aufzeichnung datiert aus dem Jahr 1030. Die dort genannten Herren von Stouphen, ( althochdeutsch = steil, aufragend, Fels, Hügel, Berg ) die wohl in einem Burgstall hier lebten, haben dem Dorf vermutlich seinen Namen gegeben.
Der bekannteste unter ihnen, Heinrich von Stouphen, ein Vertrauter Heinrich des Löwen, soll ein streitsüchtiger und eigennütziger Vogt des Klosters Wessobrunn gewesen sein. An seiner Beerdigung im Jahr 1192 in Landsberg nahm, neben einigen Bischöfen, auch Herzog Ludwig I. teil. In den letzten Jahren ist der Fuchslochberg fast vollständig bebaut worden. Während solcher Bauarbeiten fanden sich 1982 in geringer Tiefe mehrere Grabstätten aus Tuffstein aus dem 7. oder 8. Jahrhundert mit verhältnismäßig großgewachsenen Menschen.

Aus Schenkungen an die Klöster Wessobrunn und Andechs ergaben sich bereits früh besondere Verbindungen dorthin. Dies gilt auch für spätere personelle Besetzungen der Pfarrstelle in Stoffen durch das Kloster Andechs.
Kapelle
In all den vergangenen Jahrhunderten bis heute ist Stoffen grundsätzlich ein Bauerndorf geblieben, mag früher auch daneben die Strohflechterei und die Töpferei eine Einnahmequelle gewesen sein. Der berühmte Landsberger Kunsttöpfer, Adam Vogt, der die Öfen für das Augsburger Rathaus schuf, ist um 1570 in Stoffen geboren.
Daneben hatten wenige kleine Handwerksbetriebe ihr Auskommen.

Den Unbillen des 30-jährigen Krieges, mit all seinen Schrecknissen, verdanken die Stoffener den Bau der sog. „Schwedenkapelle“, die eigentlich den Weihenamen „Zu unseres Herrgotts Ruh“ trägt. Sie entstand um etwa 1697 am Ortsausgang nach Pitzling als Dank der Bewohner für die Errettung aus höchster Gefahr: Während des Krieges war eines Nachts eine schwedische Soldateska, die räubernd und plündernd durch das Land zog, kurz vor Stoffen aufgetaucht, als sie ein plötzlich aufwallender Nebel orientierungslos werden ließ und sie zur Umkehr zwang.
Auch heute noch hegen und pflegen die Stoffener ihr kleines Gotteshaus. Im Frühjanr 2001 mußte die wohl ebenfalls etwa 300-jährige danebenstehende Linde wegen zunehmender Altersschwäche gefällt werden.

Von unglücklichen Ereignissen bliebe eine Feuersbrunst aus 1691 festzuhalten. Ein weiteres Großfeuer im Jahr 1797 äscherte 25 Wohngebäude im Ortskern ein. Eine landesweit durchgeführte Sammlung half den Geschädigten beim Wiederaufbau.

Eine herausragende Besonderheit stellte 1879 die Installation einer Wasserleitung dar. Sie war eine der ersten ihrer Art in Bayern. Bis dahin gehörte Stoffen zu den wasserärmsten Gemeinden im damaligen Bezirksamt Landsberg. Ohne eine Quelle oder fließendem Gewässer war die Wasserversorgung nur aus Brunnen möglich. Außer dem Dorf- und Pfarrhofbrunnen sollen nur sechs private Ziehbrunnen vorhanden gewesen sein. So hatten z. B. die Bewohner während der großen Brandkatastrophe, 1797, keine Chance, ihre mit Stroh gedeckten Holzhäuser zu retten. In mühevoller Handarbeit gruben die Stoffener also eine Wasserleitung von der „Teufelsküche“ bei Pitzling bis zu einem Hochbehälter auf dem Fuchsloch. Die Einweihung am 1. Mai 1879 war ein großer Festtag für die Gemeinde.
Eine Tafel am Feuerwehrhaus erinnert an dieses denkwürdige Ereignis. Allerdings erwies sich der damals gewählte Leitungsquerschnitt im Laufe der Zeit als nicht mehr ausreichend. 1951 verlegten die Bürger von Stoffen schließlich neue Rohre, wobei sie wieder, im wesentlichen in Handarbeit, die Aushubstrecke von fast 3 Kilometern zu überwinden hatten. Jedem Haushalt wurde dabei eine bestimmte auszuhebende Teilstrecke zugewiesen.

40 Jahre nachdem sich die Stoffener mit ausreichend Wasser versorgt hatten, hielt im August 1919 auch der elektrische Strom Einzug in das Dorf. Mit dem Vertrag zwischen der Gemeinde Stoffen und den „Lech - Elektrizitätswerken“ aus dem Jahr 1913 wurde die spätere Stromlieferung vereinbart. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden auch die letzten beiden Häuser an das Netz angeschlossen.

1450 ist die Zahl von 19 Häusern und Herdstätten überliefert, während es 1825 63 Wohngebäude mit etwa 300 Personen waren. Bis zum 2. Weltkrieg erhöhte sich die Einwohnerzahl auf 335. Kurz nach Kriegsende kletterte sie durch den Zustrom von Heimatvertriebenen, vor allem aus Südmähren / Sudetenland, auf 575. Gegenwärtig zählt Stoffen 533 Personen.

Die Kriege des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts rissen tiefe Lücken in die männliche Bevölkerung des Dorfes. Starb im Krieg gegen Frankreich 1870/71 von den insgesamt sechs Einberufenen ein Soldat, so waren es 1914/18 von 54 Einberufenen 13 Gefallene. 1939/45 kehrten von 81 Kriegsteilnehmern 35 junge Männer nicht mehr zurück.

Die Bewirtschaftung der Höfe und Felder sowie die Versorgung der Familien war eine große und schwere Aufgabe für die Hinterbliebenen, vor allen Dingen für die Frauen. Dies galt nach dem 2. Weltkrieg auch für die meist völlig mittellosen, heimatvertriebenen Frauen und Kinder, deren Männer und Väter entweder gefallen oder noch in Gefangenschaft waren. Sie trafen im Sommer 1946 auf eine einheimische Bevölkerung, die selbst häufig nur das Notwendigste besaß und die nun eng zusammenrücken mußte, um die neu Hinzugekommenen aufnehmen zu können.

Im folgenden hat der kleine Ort keine wesentliche Entwicklung genommen.

Die andernorts teilweise ausufernde Bautätigkeit ist den Stoffenern erspart geblieben. Das Dorf wuchs kaum über seine ursprünglichen Grenzen hinaus. Allerdings ging der Strukturwandel in Landwirtschaft und Handwerk auch hier nicht spurlos vorüber. 10 Vollerwerbslandwirte betreiben ihre Höfe noch. Vor allem das nahe Landsberg bietet heute die meisten Arbeitsplätze.

Schwabbauerhof „Zum Kussenbauer“ im Wandel der Zeiten

Schwabbauerhof
(Um 1912)
Schwabbauerhof 1985
(Um 1985)
Schwabbauerhof 2001
(Um 2001)

Nach wie vor besitzt Stoffen einen bemerkenswerten Ortskern.
Zu ihm gehören als markante Gebäude vor allem die Kirche, der Pfarrhof, die alte „Huber - Wirtschaft“ aus 1797, die ebenfalls nicht mehr betriebene „Heilrath - Wirtschaft“, der Hof des „Ochsenbauer“, die aufgelassene Käsküche, sowie das ehemalige Schulhaus, u.a.m.
Leidlich erhalten ist auch noch der frühere Zehentstadl, südwestlich des Pfarrhofes.
Zehentstadl
Zehentstadl

Kirche, Schule, Kultur und Brauchtum

Stoffen war von je her Sitz einer Pfarrei. Durch die hiesigen Pfarrherrn werden seit Generationen auch die Filialkirchen von Lengenfeld und Ummendorf betreut. Die spätbarocke Pfarrkirche „Mariä Heimsuchung“ besitzt u. a. ein bemerkenswertes Deckenbild aus 1739.
Der spitze Kirchturm ist erst nach einem Blitzschlag im Jahr 1862 in dieser Form errichtet worden, nachdem er vorher durch eine Zwiebelhaube abgeschlossen war.

Gleich neben der Kirche fällt der spitzgieblige Pfarrhof aus dem Jahr 1680 ins Auge. Kaum zu glauben, daß er in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts fast der Spitzhacke zum Opfer gefallen wäre. Erst jahrelange, zähe Bemühungen führten 1980/83 zu einer Renovierung. Am 19. Juni 1983 konnte die ganze Pfarrgemeinde im Beisein des Weihbischfs von Augsburg die Einweihung des wiederhergestellten Pfarrhofes feiern. Allerdings sind die landwirtschaftlichen Gebäudeteile nicht wieder aufgerichtet worden. ´
Pfarrhof 1917
Pfarrhof (1917)
Pfarrhof 1979
Pfarrhof (1979)
Pfarrhof 1996
Pfarrhof (1996)

Mitte des 19. Jahrhunderts entschlossen sich die Verantwortlichen der Gemeinde, dem Notbehelf, die Kinder in der Wohnung des Lehrers unterrichten zu lassen, ein Ende zu bereiten. Sie kauften 1861 zusammen mit den Ummendorfern und Lengenfeldern das mitten im Dorf gelegene Anwesen Nr. 5, „Beim Triebbauer“ für 16 000 Gulden und bauten es zu einem Schulhaus um. Lange Jahre war darin auch die Feuerwehr untergebracht. 1979 ist es an einen privaten Interessenten verkauft worden.

Die Gemeinde Stoffen wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern, 1972, der Gemeinde Pürgen zugeschlagen und verlor damit ihre politische Selbständigkeit.

Das Vereinsleben in Stoffen ist nach wie vor sehr vielfältig.

Es gibt einen:
* Schützenverein, gegr. 1876
* Soldaten- und Kriegerverein, gegr. 1887
* Obst- und Gartenbauverein, gegr. 1921
* Gesangverein (gemischter Chor) gegr. 1927
* Fußballclub, gegr. 1948
* Trachtenverein, gegr. 1951,
* Frauenkreis gegr. 1984 ( vormals Mütterverein )
* und eine Jagdgenossenschaft

Darüber hinaus leisten viele jungen Männer und Frauen freiwilligen Dienst bei der Feuerwehr.

Neben den vielfältigsten Veranstaltungen der Vereine das Jahr über, gestaltet die sog. „Dorfgemeinschaft“ jeweils im August am „Fuchsloch“ ein Sommernachtsfest, das sich auch in den umliegenden Ortschaften großer Beliebtheit erfreut. Dieses Fest zeugt insbesondere von gutem Zusammenhalt in dem kleinen Ort..

Daß in der Mitte des Dorfes jedes Jahr ein Maibaum aufgestellt wird, ist selbstverständlich.
 
Maibaumaufstellen

Gegenwart / News

Etwa zeitgleich mit den umliegenden Gemeinden begannen 1995 die Arbeiten zur Verlegung eines Kanals, der über Ummendorf, Pürgen und Reisch zur Kläranlage Landsberg führt. Die Arbeiten nähern sich nun dem Ende.

Daneben war das Jahr 2001 im wesentlichen geprägt durch das 50-jährige Gründungsfest des Trachtenvereins, das Ende Mai stattfand.

Der FC Stoffen erweitert gegenwärtig das Sportheim um ein wesentliches. Dank vieler Eigenleistungen der Sportler geht es zügig voran.
 
Kanalarbeiten

Quellen:
Landsberger Geschichtsblätter, 25. Jahrg.
Kreisheimatbuch des Lkr. Landsberg
Chronik von Stoffen, Ludwig Meyer u.a.
Die Wasserversorgung v. Stoffen, Emil Hartmann
Lech - Eletrizitätswerke Augsburg
Landsberger Tagblatt

Bilder:
Adolf, Fochler, Hafenmair, Hartmann, Kircher, Schwabbauer, Ströbl u.a.