Geschichte von Ummendorf



(Kreisheimatbuch S. 735-737)
Auf einer von Süden nach Norden verlaufenden Abdachung des letzten Ammerseegletschers liegt, 5 km südöstlich der Kreisstadt, der kleine Ort Ummendorf (66o m ü.d.M.). Das umliegende Gebiet muß schon im ersten Jahrtausend v. Chr. verhältnismäßig dicht gewesen sein, worauf zahlreiche Grabhügel in der nächsten Umgebung hinweisen. Von der als einer der bedeutendsten im Landkreis bekannten »Hügelgräbergruppe bei Pürgen« gehören die im Waldteil Osterholz gelegenen (41 Stück) zum Gemeindegebiet . Auch nordwestlich im Pössinger Wald (Stadtforst Landsberg) finden sich 8 Hügelgräber. Bei der letzten Welle der germanischen Besiedlung des Lechrains werden alemannische und bajuwarische Siedler sich auch hier niedergelassen haben. Diese Siedlung erhielt nach einem Edeling Ummo, der wohl fränkischer Herkunft war, den Namen Umbindorf, aus dem nach mannigfacher Wandlung (Umdorf, Umbsdorf, Umbendorf) Ummendorf geworden ist. Im Jahre 740 wird Ummendorf zuerst in den Geschichtsquellen genannt. Der aus dem Adelsgeschlecht der Huosi stammende Graf Engildeo übereignete mit anderen Orten auch Umbindorf dem Benediktinerkloster Benediktbeuren. Er selbst trat in das von seinem Vater gegründete Kloster als Mönch ein. Zu dieser Zeit erfolgte durch die Franken die Missionierung des Lechrains. Die erste Kapelle wurde dem Nationalheiligen der Franken, dem Erzengel Michael, geweiht.
Im Jahr 1922 wurden am Nordende des Dorfes menschliche Skelette mit Beigaben gefunden, wobei es sich um merowingische Reihengräber handelte. Nach der großen Schlacht imJahr 743, in welcher der Bayernherzog Odilo besiegt wurde, werden auf der Ummendorfer Flur Verfolgungskämpfe stattgefunden haben. Seit den ältesten Zeiten sollen auf den Fluren östlich des Dorfes »Schwerter, Spieße, Hufeisen und Beiner ohne Zahl« zum Vorschein gekommen sein. Während der Frankenherrschaft wurde Ummendorf vom Nebenkloster Sandau kirchlich versorgt, wofür dieses den Großen Zehent und die Abgaben des Widdumhofes erhielt. Bei der Säkularisation unter Herzog Arnulf ging Ummendorf dem Kloster verloren. Die Einnahmen fielen an einen Ministerialen, dessen Name aber nicht bekannt ist. Auf dem Lugberg, heute Luckenberg genannt, soll sich ein »Burgstall« befunden haben. Hier stand auch die alte Maria-Hilf-Kapelle am Thalhofener Weg, der über die Ödgrenze hinab ins fruchtbare Unterland und auf dem »Totenweg« nach dem Sandauer Friedhof führte. 1391 kam Ummendorf wieder an das Kloster Benediktbeuern und wurde der Pfarrei Untermühlhausen zugeteilt. Der Geistliche predigte an den Feiertagen und an jedem Sonntage in der Michaelskirche, bezog aber nur den Kleinzehent. Als im 14. Jh. der »Schwarze Tod« seine Opfer forderte und viele Christen um ihr Seelenheil bangten, übereignete im Jahre 1385 der Kanzler des Herzogs Stephan, Friedrich Wolf, den Großen Zehent und die Einnahmen aus dem Widdumhofe der Pfarrei Landsberg. Dafür sollte in der Allerheiligenkapelle von einem Gesellpriester eine ewige Messe gelesen werden, deren Abhaltung noch bis 185o bezeugt ist.
Da aber der Pfarrer in Landsberg sich weigerte, auch die kirchliche Versorgung zu übernehmen und Untermühlhausen nur geringe Einnahmen zuflossen, entbrannte ein Streit zwischen dem Kloster und Landsberg. Als alle Bemühungen des Klosters zu keinem Ergebnis führten, klagten die Ummendorfer selbst beim Landesherrn, der aber 1553 entschied, daß es bei der bisherigen Regelung zu verbleiben habe. Daher wurden in den folgenden Jahren viele Amtshandlungen, besonders die Beerdigungen in Notzeiten von den Geistlichen der benachbarten Gemeinden Pürgen und Stoffen vorgenommen. Die Opfer des Pestjahres 1627, in dem Ummendorf bannisiert wurde, sind nicht bekannt, da das älteste erhaltene Sterberegister erst mit dem Jahre 165o beginnt. Der Pfarrer Schwarzwalder aus Untermühlhausen verzeichnet in diesem Jahre 42 Pestopfer aus 13 Familien, von denen manche ganz ausstarben. Bei der Säkularisation im Jahre 1803 wurde Ummendorf der Pfarrei Stoffen zugeteilt, in deren Gotteshaus die Ummendorfer schon Kirchenstühle besaßen. Diese Regelung fand jedoch nicht den Beifall der Filialisten, und sie beantragten die Zuteilung zur Pfarrei Landsberg, da ja noch immer der Großzehent von 300 Gulden dorthin flösse. 185o mußten sie aber ihre Hoffnungen begraben und sich mit wenigen Gottesdiensten und einer wöchentlichen Messe zufriedengeben. Die kleine Filialkirche St. Michael geht in ihrem Kern auf das 14. Jh. zurück. Der Sattelturm auf der Nordseite des halbrunden Chores hat Rundbogenfriese, ähnlich wie sein stattlicher Nachbar in Pürgen. Der Bau wurde mehrmals verändert, so im frühen 17. Jh. und 1698, als er teilweise eingefallen war. Der Altarraum besitzt ein zierliches Gratgewölbe in Sternfiguration; die Altäre stammen aus der 2. Hälfte des 18. Jhs., die Kanzel und das einfache Chorgestühl aus der Zeit um 1700. Von der Holzplastik sind der hl. Michael, ein Kruzifix und noch weitere Figuren, alle von Vater und Sohn Luidl, als gute Barockarbeiten zu erwähnen. Auf der Südseite des Langhauses befinden sich ein hübsches Vorzeichen und eine starke Bohlentür mit einem seltenen hölzernen Riegelkorb; der zugehörige Schlüssel wiegt 65o Gramm. Die kleine, hellklingende Glocke aus dem Jahre 1454 entging in den beiden Weltkriegen der Beschlagnahme. Schwerer Schaden wurde der Kirche zugefügt, als die Schweden 1632 und 1633 das Dorf heimsuchten. Sie wurde ausgeraubt und teilweise zerstört, wobei die beiden Kirchenpfleger eschlagen wurden. Der Dekan von Landsberg fand außer wenigen Meßgewändern nur noch einen zinnernen Kelch und zwei spätgotische Messingleuchter vor. Eine Gesamtrenovierung des Baues erfolgte 196o/62, eine weitere Renovierung 1979.
Bei Untersuchung des Bodens konnten Reste älterer Vorgängerbauten aufgedeckt werden. Große Verehrung genoß neben dem hl. Franziskus Xaverius der hl. Sebastian, an dessen Kerze auf dem Marienaltar geopfert wurde. Zu Ehren des hl. Wendelin, des Schutzpatrons der Bauern und Schäfer, zieht die Gemeinde noch heute nach Lengenfeld. Von einem eigenartigen kirchlichen Brauch berichtet der ehemalige Gutsherr von Pöring, Freiherr von Leoprechting. Auf einem Tisch wurde am Feste Christi Himmelfahrt die Figur des Auferstandenen aufgestellt und aus dem »Heiliggeistloch« an einem Seile ein Licht geschwenkt und für die Jugend Sügigkeiten und Blumenkränze geworfen. 1852 wurde am Südausgang des Dorfes die Maria-Hilf-Kapelle neu errichtet. Sie ist nach Westen gerichtet und hat einen von Rundsäulen getragenen offenen Vorbau. Ummendorf bestand um das Jahr 18oo aus 32 Anwesen, darunter 5 ganze und 3 halbe Höfe, von denen 7 der Gemeinde, 6 dem Spital Landsberg, je 5 der Kirche Spötting und dem Kloster Wessobrunn, 4 dem Kloster Altomünster, 2 dem Stift St. Ulrich in Augsburg und je einer dem Pfarrwiddum Landsberg und dem Kloster Dießen gehörten. Nur der Gidibauemhof, Hs.-Nr. 1o, war »Eigen«. Bei der 181o stattfindenden zweiten Aufteilung des aus der ehemaligen Allmende stammenden Gemeindelandes fielen 138 Tagwerke, die allerdings meist aus minderwertigem Lande bestanden, als ludeigener Besitz an die Ummendorfer Anwesen. Eine bedeutende Veränderung im Besitzstande trat ein, als in den Jahren 1872/75 das Spital, das früher auf der Ummendorfer Flur einen umfangreichen Landbesitz hatte, 65 Tgw. im Osterholz zur Abrundung des Hofstettener Frauenwaldes erwarb. Auf dem Widdumhofe mit der alten Zehentscheune, dem größten Hofe des Dorfes, sitzt seit 1764 in sechster männlicher Geschlechterfolge die Familie Winterholler, - Stoffener Straße 17, Sixenbauer. Alteingesessene Familien sind Bailacher, Hartmann, seit 1787 und seit 18oo Gattinger. Inhaber des Schustergütls (Tulpenstraße 2) ist seit 1778 die Familie Lebhard. Franz Xaver Lebhard hat als Freund und Kenner seiner Heimat wertvolles Material für die Heimatforschung vor der Vernichtung bewahrt. Erster Obmann der Gemeinde war 1810 der Webermeister Caspar Söldner, der mit seinen Söhnen im Hs.-Nr. 12 sein Handwerk betrieb. Zu den ersten Vorstehern gehörten der Binder und Schäffler Joseph Pittrich von Hs.Nr. 18, der 1812 mit zwei anderen Ummendorfern in Napoleons Heer nach Rußland gezogen war, und Franz Zöpf aus der seit 1690 hier ansässig gewesenen Schmiedefamilie.
Unter Alt-Ehrenbürgermeister Joh. Rehm, 1906--i933, wurde Ummendorf der Pöringer Wassergruppe angeschlossen und mit elektrischem Strom versorgt. Während der Amtszeit von Georg Schön wurde das 6o ha umfassende Gebiet der Lußwiesen entwässert. Vom 5.-25. Mai 1945 waren 200 Mann französischer Besatzung im Dorf einquartiert, die in Siegerlaune den Kirchturm beschossen. Am Tage ihres Abzuges wurden bei Absperrung des Dorfes zwei Stunden für eine ausgiebige Plünderung freigegeben. Im folgenden Jahre mußte die Gemeinde aus Südmähren vertriebene Familien aufnehmen, wodurch die Einwohnerzahl von 186 auf 286 stieg. Für acht Familien wurden 1951 im Wege des sozialen Wohnungsbaues zwei Wohnhäuser errichtet. Bedeutende Lasten entstanden dem Ort mit einem geringen Gewerbesteueraufkonunen durch die Flurbereinigung und den Straßenbau bis zur Landsberger Stadtgrenze. Besonders für die vielen Pendler aus der Gemeinde, die vorwiegend in der Industrie und dem Handel der Stadt, sowie auf dem Flugplatz Penzing beschäftigt sind, ist der Ausbau der Kreisstraßen Stoffen-Landsberg, Ummendorf-Pürgen-Schwifting-Penzing sehr wichtig gewesen. Die Gemeinde beteiligte sich auch an den anderen Verbindungsstraßen nac h Pitzling und Lengenfeld. Von 1946 bis 1948 stand der Gemeinde als Bürgermeister Landwirt Alois Endres vor. In dieser schwierigen Zeit galt es 1oo Heimatvertriebene unterzubringen und zu versorgen. Von 1948--1972 war der Landwirt Max Schön Bürgermeister und damit letztes Gemeindeoberhaupt bis zur Aufgabe der politischen Selbständigkeit. Durch Gemeinderatsbeschluß gliederte sich Ummendorf ab 1. Juli 1972 in die Gemeinde Pürgen ein. Durch Ausweisung von Baugebieten in den siebziger Jahren wurde wenigstens ein Teil der 20jährigen Planung Wirklichkeit, im Norden des Ortes Wohnhäuser zu errichten. Die neuen Eigenheime grüßen schon von weitem, wenn man von Landsberg kommt, aber auch die im Jahre 1979 renovierte Filialkirche St. Martin zeugt vom Streben und Schaffen des kleinen Ortes, sich zu behaupten und herauszuputzen. Dazu gehören auch zwei Geschäftsbetriebe (Spirituosenfabrik, Metallverarbeitung), das Vereinsleben und die fraditionsverbundene Feuerwehr. Als Ersatz für die aufgelassene Gaststätte soll in der ebenso eingestellten Käserei ein Gemeinschaftsraum eingerichtet werden.