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Ausflug 09 / 02

Das Wetter versprach nichts Gutes, als wir, ca. 22 Sänger, zum Teil in Begleitung, Angehörige des Kirchenchores und ehemalige Sänger, am Freitagmorgen um 06:40 am Feuerwehrhaus starteten. Aufgrund kurzfristiger Absagen war unser Bus nicht ganz vollbesetzt, was aber der guten Laune keinen Abbruch tat. In Landsberg legten wir bereits den ersten Tankstopp ein und fuhren dann auf der Romantischen Straße in Richtung Main.
 
Erstes Ziel sollte Harburg sein, ein mittelalterliches Städtchen, zwischen dem Schwäbischen und Fränkischen Jura gelegen, wo wir gegen 10:00 Uhr eine zünftige Brotzeit einlegen wollten. Aber bereits um 08:30 Uhr tauchten im Wörnitztal vor uns aus dem Nebel die mächtigen Türme der Harburg, einer der besterhaltenen Burgen Deutschlands,heute im Familienbesitz der Fürsten von Oettingen-Wallerstein, auf. Aufgrund des diesigen Wetters haben nicht viele dieses wunderbare Bauwerk wahrgenommen und so setzten wir unsere Fahrt auf der Romantischen Straße zunächst bis Nördlingen fort. Bei Temperaturen, nahe dem Gefrierpunkt stärkten wir uns bei Handwurst und dem ersten Bier und gönnten uns einen kurzen Stadtrundgang. Nördlingen, eine alte ehemals Freie Reichsstadt im Herzen der einmaligen Landschaft des Rieses gelegen, besitzt noch ein fast vollkommen erhaltenes und mittelalterliches Stadtbild mit einer vollständig erhaltenen und rundum begehbaren Stadtmauer mit Wehrgang die einzige dieser Art in Deutschland. Das Ries selbst ist als geologische Besonderheit durch einen Meteoriteneinschlag vor ca. 15 Millionen Jahren entstanden.
 
Das romantische und historische Stadtbild wird von seinem Wahrzeichen, dem 90 m hohen Glockenturm Daniel der spätgotischen Hallenkirche "St. Georg" geprägt. Die Kirche, die bei unserem morgendlichen Besuch noch geschlossen war, soll eine der schönsten dieser Art in Süddeutschland sein. Auf dem "Daniel", der an 365 Tagen im Jahr bestiegen werden kann, versieht noch rund um die Uhr ein Türmer seinen Dienst - wohl der letzte seiner Zunft.Über Dinkelsbühl, Feuchtwangen und nahe vorbei an Rothenburg o.T. fuhr uns der Bus in Richtung Ochsenfurt, unserem ersten Tagesziel in Mainfranken. Das Wetter hatte auch am späten Vormittag noch kein Einsehen mit uns, nur kurz waren ein paar Quadratmeter fränkischer Himmel zu sehen. Bei strömenden Regen fuhren wir in Ochsenfurt ein und machten beim Kauzen-Bräu Station. Eine interessante Führung brachte uns die Geschichte und Entwicklung dieser traditionellen Privatbrauerei und den Herstellungsprozess näher. Der Unterschied zwischen ober- und untergärigem Bier wurde erläutert und die Hefeproduktion wurde anschaulich dargestellt. Die Ochsenfurter Kauzen-Bräu, seit 1809 im Privatbesitz, zählt zu den modernsten mittelständischen Brauereien. 100.000 hl Getränke, verschiedene Biere und Libella-Limonaden, werden per anno produziert. Man verfügt über einen eigenen Brunnen, der in Trockenperioden auch in die Trinkwasserversorgung Ochsenfurts einspeist und man ist sowohl produktionstechnisch wie auch wirtschaftlich absolut eigenständig.
 
Seit Anno 1611 ist es ein fränkischer Brauch, einen Kauzen zu trinken. Damals stiftete Konrad Ludwig von Zobel, Domherr zu Würzburg, den Ochsenfurter Kauzentrunk, um damit besonders ehrenwerte Gäste zu begrüßen. Wer den Kauzen in einem Zug leeren konnte, durfte sich im Kauzen-Buch mit seinem Namen und einem Trinkspruch verewigen.

Die abschließende Bierprobe mit Weißwurstessen brachte uns in recht frohe Stimmung und war das richtige Mittel, um das trübe Wetter zu vergessen. Der feschen Bedienung sangen wir "Ei du Mädchen vom Lande" und für die Betriebsführung und Gastfreundschaft ließen wir ein "Wer nicht liebt Bier, Weib, Gesang" erklingen und verabschiedeten uns mit einigen Toast in Richtung Bootanlegestelle am Main. Ein ganzes Schifferl, die Mozart II, hatten wir für uns, und fuhren so ab ca. 14:30 Uhr mainabwärts in Richtung Würzburg. Zwei Schleusen halfen uns den Höhenunterschied zu überwinden. Nach einem etwas zäh anlaufenden Kaffeetrinken konnten wir die rund zweistündige Fahrt auf dem Main in vollen Zügen genießen. Wenn Engel reisen mit Beginn der Schifffahrt machte der Himmel auf und die Sonne ließ das Maintal in herrlichen frühherbstlichen Farben erscheinen. Schon von weitem grüßte uns das Wahrzeichen der Universitäts- und Kongressstadt Würzburg, die Festung Marienberg. Ein herrlicher Anblick, der schon ein bisschen Vorfreude auf die Stadtführung am Samstag machte. Zunächst stand aber nach einem kurzen Fußmarsch zum Busparkplatz die Fahrt nach Bergtheim an, um im Hotel Goldener Löwe, oder besser Landgasthof, einzuchecken, und einen ersten unbeschwerten Abend zu genießen. Saubere kleine Zimmer, nicht alle waren ganz zufrieden, teilweise herrschte noch der Flair eines Rohbaues, eine gut bürgerliche Speisekarte, vernünftige Preise und ein freundlicher Service hinterließen alles in allem einen positiven Eindruck. Am Samstag vormittag, nach einem ausgiebigen Frühstück, stand die Fahrt nach Würzburg mit einer Standführung, einer Weinprobe und Sightseeing an. Vor der Residenz, am Orlandobrunnen, trafen wir auf unseren Stadtführer. Beginnend im Hofgarten der Residenz blickte er auf die Geschichte Würzburgs zurück und fand immer wieder den Bogen in die Gegenwart und zeigte an Beispielen auf, dass die Probleme von damals auch unsere Probleme sind. In erster Linie Geldnöte diese hatten die Herrscher damals und heute haben wir sie wieder. Würzburg ist praktisch pleite. Ein insgesamt witziger und informativer Vortrag der viel Wissen vermittelte und doch lebendig und kurzweilig war. Vielen werden sicher die Ausführungen zur barocken Lebensart, mit großen Gelagen und dem täglichen Lustwandeln im Hofgarten in Erinnerung geblieben sein. Aber auch der Hinweis auf viele prominente Würzburger, die man auf elegante Art und Weise nach München entsorgt hat z.B. Alfons Goppel oder Barbara Stamm die beide gerne Oberbürgermeister geworden wären - brachten viele zum Schmunzeln. Der Hinweis aus unseren Reihen auf Günther Beckstein wurde von unserem Stadtführer mit, der ist Mittelfranke und evangelisch gekontert. Würzburg besitzt 65 Kirchen, davon eine evangelische.
Die Residenz gilt als Hauptwerk des süddeutschen Barock, eines der bedeutendsten Schlösser Europas und wurde 1720 - 1744 nach Plänen Balthasar Neumanns erbaut und ist heute UNESCO-Weltkulturgut. Am Südflügel ist die Hofkirche, mit wundervollen Altargemälden des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo, angebaut.
Wir ließen es uns nicht nehmen, in dieser Kapelle ein kleines Ständchen zu singen "Das Morgenrot"
 
Die ehemals fürstbischöfiche Residenz, 1720 - 1744 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut, ist in ihrer Geschlossenheit der schönste Schlossbau des süddeutschen Barock. Das imposanten Treppenhaus, mit seinem freitragenden Gewölbe und dem glanzvollen Deckenfresko des Venezianers Tiepolo stellt eine wahre Meisterleistung dar. Das Herzstück der Anlage ist der kostbare Kaisersaal, und das nach Kriegszerstörung erst 1987 wiederhergestellte Spiegelkabinett. Seit 1982 steht die Residenz auf der UNESCO-Liste "Erbe der Welt".

Die rund zweistündige Stadtführung führt uns durch die wechselvolle Geschichte Würzburgs zum Dom, der in den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört wurde. Dort ließen wir unser "Tebe Moem" erklingen und liefen vorbei am Falkenhaus, einem wunderbar restaurierten Bürgerhaus mit Rokokofassade hinunter zum Main. Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf die berühmte Weinlage, dem Würzburger Stein und hinauf zur Festung Marienberg. Über die alte Marienbrücke, die den Blick bis zum Dom freigab, gingen wir wieder in die Innenstadt, wo wir versuchten im Ratskeller unser Mittagessen einzunehmen. Dazu landeten wir allerdings dann doch im Bürgerstift, wo für uns Plätze reserviert waren. Mittagessen, ein Schoppen Frankenwein, ein bisschen entspannen, ein paar Minuten durch die Innenstadt flanieren und schnell noch ein Espresso im Stehen schon ist es Zeit für den nächsten Höhepunkt. Im Kellergewölbe der Residenz empfing uns der Staatliche Hofkeller zu einer Weinprobe in den Bacchuskeller. Bei einem Glas Sekt wurden wir anhand eines Wandgemäldes über das Kellerrecht informiert, zogen durch den Holzfaßlagerraum, in dem ca. 700 000 Ltr Frankenwein lagern, in den Beamtenweinkeller. Vor rund 200 Jahren wurden die Beamten mit 660 Fuder und 10 Eimer = 2128 hl/Jahr Bestallungswein entlohnt. Fünf köstliche Weine, vom trockenen Müller-Thurgau bis hin zu einer Rieslaner Auslese der berühmten Lage Würzburger Stein, umfasste die Weinprobe. Unterhaltsam und informativ gestaltete unser Gastgeber die zwei Stunden im Weinkeller. In bester Stimmung stiegen wir die Treppen in Richtung Sonnenlicht empor zum Vorplatz der Residenz und fanden uns mit Goethe und der Königin von Schweden, zwei Stammkunden der staatlichen Hofkellerei, in bester Weingesellschaft. Den Abend verbrachten wir bei guter fränkischer Küche, bester Laune, Musik, Gesang und Wein im Gasthaus zum Engel bei der Familie Blendel in Escherndorf. Nicht ausarten sollte dieser Abend, Stimme schonen und noch ein bisschen Schönheitsschlaf für so manche(n) musste drin sein, denn Sonntagmorgen um 10:00 Uhr sollten wir in Bergtheim bereits den Gottesdienst musikalisch umrahmen. Pfarrer Göbel begrüßte uns recht herzlich und wir sangen in der nüchternen, modernen Kirche O Herr welch ein Morgen, Psalm 150, Sancta Maria, Heilig, heilig und zum Abschluss den Frieden. An der Orgel begleitete uns Wolfgang Biegerl, der mit Bach das Volk furios aus der Kirche begleitete. Als Dankeschön erhielten wir braven Beifall und vor allem auf Einladung der Messnerin und des Vorstandes des örtlichen Männergesangvereins einen kleinen Weinempfang. In der Morgensonne, fasst schon gegen Mittag, genossen wir einige Gläschen klaren Frankenwein und ließen dazu eine Prost und einige Toasts erklingen. In dieser Stimmung fuhren wir mit dem Bus durch die Frankenlande bis Volkach. Im Gasthaus zum Löwen nahmen mir unser Mittagessen ein und schlenderten anschließend bei herrlichem Sonnenschein durch das fränkische Weinstädtchen. Am Nachmittag genossen wir dann wieder in Escherndorf eine kleine Wanderung durch die Weinberge und machten in der berühmten Lage Lump Rast bei einer Weinprobe. Durch den Juniorchef des Weingutes Blendel wurde Müller-Thurgau, Bacchus, Silvaner und Riesling, trocken oder halbtrocken kredenzt und er brachte uns viele Fakten über den Weinanbau, die verschiedenen Reben, das harte Wirken der Winzer in Hanglagen und so manche kleine Geschichte über das Leben in einem Weindorf nahe. Über einen Weinlehrpfad stiegen wir ab ins Maintal, sangen am Ortsrand von Escherndorf an einer herrlich restaurierten Lourdeskapelle noch ein Ständchen und rückten im Gasthaus zum Engel zum Kaffeetrinken ein. Wohlbehalten brachte uns unser Busfahrer nach einem ausgefüllten und erlebnisreichen Wochenende nach Pürgen zurück. Fazit: Es war wieder ein wundervolles Wochenende unterwegs mit den Sängern und Freunden.
Es bleibt Dank zu sagen an alle, die bei der Planung und Durchführung dieses Ausfluges Anteil hatten. Peter Murr, Michael Reitmeir und Albert Metzger für die Vorbereitung und den reibungslosen Ablauf. Christoph Schönemann, der über die Firma MAN uns wieder kostenlos einen Bus zur Verfügung gestellt hat. Nicht nur das, er hat ihn auch tags zuvor aus Salzgitter überführt und Montag danach sauber gereinigt nach Augsburg zurück gebracht. Unserem Busfahrer, der drei Tage mit uns unterwegs war, uns sicher gefahren hat und obwohl er meist nur zusehen konnte, immer bester Laune war. Nicht zu vergessen Willi Glöggler, der wieder Semmeln und Nusshörnchen für uns gebacken hat. Allen ein herzliches Vergelt`s Gott! Allen die dieses Wochenende nicht mitmachten oder nicht mitmachen konnten: Schade!

Die Universitäts- und Kongressstadt am Main liegt inmitten von Weinbergen, überragt von ihrem Wahrzeichen, der Festung Marienberg. In der Altstadt dominiert das Turmensemble von Kiliansdom, Neumünster und Marienkapelle neben der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz (UNESCO-Weltkulturgut), dem barocken Prunkbau und Meisterwerk Balthasar Neumanns.
 
Der MGV Liederkranz Pürgen vor der
Feste Marienberg in Würzburg.
 
"Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang bleibt
ein Narr sein Leben lang" Sänger in charmanter
Begleitung im Staatlichen Hofkeller zu Würzburg
 
So ein Vereinsausflug kann ganz schön an
die Substanz gehen. Organisator, Reiseleiter
und Kummerkasten für viele kleine Sorgen und
Probleme - 1. Vorstand Albert und 2. Vorstand Michael -
Kräfte sammeln für neue Aufgaben heißt das Motto.